Die mit dem automobilen Strukturwandel verbundenen Beschäftigungsrisiken und -chancen treten in der Fläche nicht gleichverteilt auf, sondern betreffen Einzelregionen sehr unterschiedlich. Wo gehen Jobs verloren, wo werden neue Arbeitsplätze geschaffen ? – die Antwort auf diese wichtige Frage ist abhängig von den Standorten, dem Produktportfolio und der Beschäftigungsgröße der betreffenden Zulieferunternehmen.

Zur Bewertung dieser Fragestellung hat das Chemnitz Automotive Institute (CATI) seine Datenbasis zu insgesamt ca. 400 Zulieferunternehmen in Sachsen und Thüringen so erweitert, dass nunmehr je Zulieferunternehmen

  • das Produktportfolio nach insgesamt ca. 40 Produktfeldern in den 5 Produktbereichen Karosse/Exterieur, Fahrwerk, Antrieb, Interieur, Elektrik/Elektronik aufgefächert und jeweils mit anteiligen Mitarbeiterzahlen verknüpft ist,
  • in Abhängigkeit von den zu erwartenden Veränderungen in der Teilestruktur neuer Fahrzeuggenerationen das Produktportfolio abgestuften Risiko- und Chancenpotentialen zugeordnet ist,
  • und auf dieser Basis die Beschäftigungseffekte je Produktbereich und Unternehmen für unterschiedliche Anteile von Elektrofahrzeugen quantifiziert werden können.

Diese Daten und Ergebnisse können über die Postleitzahl der Unternehmensstandorte für regionale Einheiten (Landkreise/kreisfreie Städte) aggregiert werden und damit konkrete Antworten auf die Frage ‚Wo gehen Jobs verloren, wo entstehen neue Arbeitsplätze?‘ gegeben werden.

In Zusammenarbeit mit dem Branchennetzwerk automotive thüringen (at) wurde diese Analyse bereits für die 17 Landkreise/6 kreisfreien Städte im Freistaat Thüringen durchgeführt.
MDR hat im ‚Thüringen Journal‘ vom 09. Okt. 2020 dazu ausführlich berichtet. Wesentliches Ergebnis – so das Fazit des at-Geschäftsführers Rico Chmelik: „ Einen Flächenbrand wird es in der thüringischen Zulieferindustrie nicht geben. Aber wir erwarten ‚Verlierer‘ dieses Strukturwandels (die 6 Landkreise Gotha, Wartburgkreis, Sömmerda ,Hildburghausen, Nordhausen und den Ilm-Kreis) und es wird auch Gewinner mit Arbeitplatzzuwächsen geben (die kreisfreien Städte Jena und Erfurt)“ x).  Im Ilm-Kreis werden allerdings die zu erwartenden negativen Beschäftigungseffekte durch die in Realisierung befindlichen Neuansiedlungen im Bereich Batteriezellenfertigung und Batteriemanagement-Systeme mittelfristig sogar (über)kompensiert werden.

Durch diese zu erwartende regional differenzierte Entwicklung entstehen auch neue zusätzliche Herausforderungen für die regionale Wirtschafts-, Innovations-, Struktur- und Arbeitsmarktpolitik. Daher wurden die für Thüringen ermittelten Ergebnisse auch in die jüngste  Aktualisierung der ‚Automotive Agenda Thüringen‘ des Thüringer Ministeriums für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft (TMWWDG) aufgenommen (Sept. 2020).

Automobiler Strukturwandel findet auf regionaler Ebene statt. Diese Dimension des Transformationsprozesses sollte von Beginn an als Handlungsfeld berücksichtigt werden“, so Prof. Dr. Werner Olle vom Chemnitz Automotive Institute (CATI), einem Geschäftsbereich der TUCed GmbH. „Wir empfehlen – über die bestehenden Förderprogramme für regionalen Strukturwandel hinaus (WIR!, RUBIN, REGION.innovativ) –

  • erweiterte Steuerungsparameter in der Innovationspolitik,
  • die gezielte Diversifikation der Strukturprofile von Sub-Regionen,
  • die Berücksichtigung des regionalen Transformationsprozesses bei den Fördermaßnahmen im Rahmen der Ziff. 35c des Konjunkturpaketes (‚Zukunftsinvestitionen in die Fahrzeugbranche‘) und des Ende November auf dem 4. ‚Autogipfel‘ beschlossenen zusätzlichen ‚Zukunftsfonds Automobilindustrie‘‚
  • die intensive Unterstützung bei der Kompetenzentwicklung für neue Qualifikations- und Anforderungsprofile
  • sowie Maßnahmen zur Flankierung einer zu erwartenden verstärkten intra-regionalen Mobilität“,

so die gemeinsame Empfehlung von CATI und at.

Eine vergleichbare Studie erarbeitet CATI gegenwärtig auch mit dem Netzwerk Automobilzulieferer Sachsen (AMZ) für die 10 Landkreise/3 kreisfreien Städte im Freistaat Sachsen. Die Ergebnisse werden im Januar 2021 vorliegen.

Die Studie ‚Auswirkungen der Elektromobilität – Beschäftigungseffekte auf kommunaler Ebene in Thüringen‘ wurde durch automotive thüringen als Broschüre veröffentlicht.

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