Sonderforschungsbereich „Hybrid Societies“ untersucht künftige Formen der Interaktion von Mensch und Technik – Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert erste Laufzeit mit zehn Millionen Euro

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat die Einrichtung des Sonderforschungsbereichs „Hybrid Societies” an der Technischen Universität Chemnitz bewilligt. Unter dem Thema „Hybride Gesellschaften – Menschen in Interaktion mit verkörperten Technologien“ untersuchen 30 Professorinnen und Professoren sowie leitende Forscherinnen und Forscher der TU Chemnitz grundlegend, wie Menschen sich effizient und sicher beispielsweise mit autonomen Fahrzeugen und Robotern koordinieren können, die ihnen im öffentlichen Raum begegnen. Sonderforschungsbereiche sind langfristige, auf die Dauer von bis zu zwölf Jahren angelegte Forschungseinrichtungen der Hochschulen mit einem fächerübergreifenden Forschungsprogramm. In den ersten vier Jahren werden die Projekte im SFB „Hybrid Societies” mit zehn Millionen Euro gefördert. Sprecher des SFB ist Prof. Dr. Georg Jahn, Inhaber der Professur Angewandte Gerontopsychologie und Kognition an der TU Chemnitz.

„Ich gratuliere allen Beteiligten sehr herzlich zu dieser grandiosen Leistung, über die ich mich riesig freue. Die Einrichtung des SFB Hybrid Societies – an dem Vertreterinnen und Vertreter aus allen acht Fakultäten der TU Chemnitz mitwirken – ist ein herausragender Erfolg: für jeden einzelnen Beteiligten, aber auch für unsere Kernkompetenz ‚Mensch und Technik‘, für alle Fakultäten und für unsere gesamte Universität. Ich möchte allen, die zu diesem Erfolg beigetragen haben, in besonderer Weise natürlich Herrn Kollegen Jahn und seinem Team, ganz herzlich für ihr großartiges Engagement danken“, sagt Prof. Dr. Gerd Strohmeier, Rektor der TU Chemnitz.

Die Koordination mit verkörperten digitalen Technologien steht im Mittelpunkt

Untereinander koordinieren sich Menschen mühelos aufgrund ihrer Fähigkeiten zur Kommunikation, zum Erkennen von Absichten und zur Bewegungssteuerung. Sie weichen einander geschickt aus oder übergeben sich Gegenstände ohne Zeitverzögerung. „Damit Begegnungen und Kooperationen in hybriden Gesellschaften ähnlich flüssig verlaufen, ist es notwendig, eine effiziente Koordination zwischen Menschen und verkörperten Technologien, wie zum Beispiel Robotern, zu erreichen“, erläutert Jahn. Dies erfordere Wissen über zwischenmenschliche Interaktionen und technische Kompetenzen. Daher arbeiten im SFB „Hybrid Societies” Forscherinnen und Forscher aus den Bereichen Psychologie, Ingenieurwissenschaften, Informatik, Bewegungswissenschaften, Sprachwissenschaften, Gestenforschung, Soziologie, Physik, Mathematik und Jura eng zusammen.

„Die wissenschaftlichen Fragestellungen betreffen neue Formen der Mensch-Technik-Interaktion, die sich aus der schnellen Entwicklung verkörperter Technologien ergeben. Zu verkörperten Technologien zählen auch solche, die teilweise oder zeitweise von Menschen gesteuert werden wie bionische Prothesen oder Telepräsenzroboter“, fügt die stellvertretende SFB-Sprecherin Prof. Dr. Ulrike Thomas, Inhaberin der Professur Robotik und Mensch-Technik-Interaktion, hinzu. Avatare in virtueller Realität seien weitere Beispiele künstlicher Körper, über die sich Menschen begegnen und die mit am Körper getragener Technologie gesteuert werden. „Für eine flüssige Koordination zwischen Menschen und verkörperten Technologien müssen Fähigkeiten und Intentionen aus dem Aussehen von Körpern und aus Bewegungsmustern erschlossen werden“, so Thomas. Ebenso von Bedeutung und Gegenstand von Forschungsarbeiten im SFB „Hybrid Societies” ist die direkte Kommunikation über Blicke, Sprache und Gesten.

Mit dem neuen SFB an der TU Chemnitz wird ein Graduiertenkolleg eingerichtet, das die interdisziplinäre Zusammenarbeit fördern und Doktorandinnen und Doktoranden besondere Qualifikationsgelegenheiten bieten soll.

Homepage des Sonderforschungsbereichs „Hybrid Societies”: www.hybrid-societies.org

(Bild: Jakob Müller, TU Chemnitz)