Eventforscherin Prof. Dr. Cornelia Zanger tritt in den Dialog mit Branchenvertretern und zeigt Wege in die neue Event- und Messenormalität auf!

Am Dienstag, den 22. September 2020 traf sich das „Who-is-Who“ der deutschen Veranstaltungsbranche in einem Online-Seminar mit Eventforscherin Prof. Dr. Cornelia Zanger. Ziel war es die Corona-Krise und ihre Wirkungen auf die Event- und Messebranche auszuwerten und zu diskutieren.

Als Einstieg gab Prof. Zanger einen Überblick zur Situationsanalyse: „Durch die „First-in/Last-out“-Strategie der Regierung stehen viele Unternehmen und Solo-Selbständige aus der Messe- und Eventbranche vor einem wirtschaftlichen Fiasko. In der sechstgrößten Branche Deutschlands ist inzwischen ein Schaden in Milliardenhöhe entstanden. Millionen von Arbeitsplätzen sind bedroht.“, so die Forscherin. Das spiegelte sich auch in einer ersten Umfrage unter den ca. 130 anwesenden Teilnehmern wider. Obwohl die Branche noch in den letzten Jahren auf einem „aufsteigenden Ast“ war, erwarteten die meisten Seminargäste für ihre Agenturen oder Unternehmen im Vergleich zu 2019 nur noch ca. 30% der Umsätze für das dritte und vierte Quartal 2020.

Doch sind die Aussteller und eventveranstaltenden Unternehmen überhaupt bereit für einen Re-Start? Und wie ist die Besucherbereitschaft zu bewerten? Seitens der Seminargäste herrschte hierzu Verunsicherung. Ca. ein Viertel meinte, die Besucher werden das Ende der Pandemie abwarten, bevor sie wieder Veranstaltungen wahrnehmen. Der Rest nahm an, dass 50% oder mehr, gern schon jetzt wieder teilnehmen würden. Auch Prof. Zanger sah diese Fragen eher skeptisch und stütze sich dabei unter anderem auf erste Forschungsergebnisse des Interessengemeinschaft Veranstaltungswirtschaft e.V. (kurz: IGVW) und des Instituts Gelszus Messe-Marktforschung: „Der organisatorische und monetäre Aufwand für die Erstellung von Hygienekonzepten und deren Genehmigung sind hoch. Gleichzeitig ist die Bereitschaft der eigenen Mitarbeiter, Veranstaltungen live durchzuführen, aufgrund des persönlichen gesundheitlichen Risikos gering. Auf der Besucherseite herrscht, trotz einer relativ hohen Bereitschaft Hygienevorschriften einzuhalten, ebenfalls ein Zwiespalt, insbesondere im Hinblick auf die Nutzung von Tracking-Apps und die Einhaltung vorgegebener Aufenthaltsdauern. Aus diesen Gründen sind viele Veranstalter inzwischen auf virtuelle Alternativen umgestiegen und führen auch kleinere Veranstaltungen noch nicht wieder live durch.“

Das legt die Vermutung zukünftig sinkender Besucherzahlen bei Großveranstaltungen nahe. Wie soll man dann mit großen Messeflächen, wie z.B. bei der Hannover Messe oder der Messe München, umgehen? Diese Frage gab es schon bei anderen digitalen Transformationen in der Vergangenheit. Prof. Zanger erinnerte z.B. an die Einführung des Online-Bankings im Bankensektor vor etwa 15 Jahren. „Unter Berücksichtigung aller Zielgruppen und deren individueller Bedürfnisse kam es auch hier nicht zu flächendeckenden Schließungen von größeren Filialen. Es mussten aber neue Nutzungskonzepte gefunden werden. Nun benötigen wir in der Messewelt ein Umdenken, wie diese Flächen auslastet werden können. Denkbar wäre zum Beispiel, Nutzflächen für die Logistik zu schaffen oder mehrere Messen / Events parallel in den großen Hallen durchzuführen. So könnte man vielleicht auch mit der zu erwartenden Ballung von Veranstaltungen ab Frühjahr 2021 umgehen.“

Doch führt der Einsatz vieler digitaler Tools irgendwann zu einem „digital Overkill“? Fest steht, dass hier noch viel Forschungsarbeit geleistet werden muss. „Anfangs haben neue Technologien, wie AR oder VR immer einen sehr großen Neuigkeitswert und sind aufmerksamkeitsstark. Wenn die Technologie sich jedoch etabliert hat und verbreitet ist, lässt diese Wirkung nach. Wären plötzlich alle Messestände z.B. mit VR ausgestattet, dann wäre das auch keine Lösung. Im Gegenteil: so erhalten möglicherweise einfache, haptisch greifbare Formate wieder mehr Zuspruch. Darum bin ich auch der Meinung, dass sich hybride Formate als Mischung aus virtuellen und multisensualen Erlebnissen durchsetzen werden.“, äußerte sich Prof. Zanger zu dieser Teilnehmerfrage.

Trotz aller Herausforderungen, die Corona für die Veranstaltungsbranche gebracht hat, machte die Eventforscherin den Branchenvertretern Mut: „Die Frage, ob die Branche weiterbestehen wird, stellt sich für mich nicht, denn die besondere Qualität der Live-Kommunikation für beide Seiten – Veranstalter und Besucher – ist auf Dauer nicht zu ersetzen. Das Vertrauen in die Live-Begegnung von Menschen muss allerdings wiederhergestellt werden. Hybride Event- und Messeformate werden zur neuen Normalität. Daneben werden neue Veranstaltungen und Formate entstehen und neue Akteure sowie perfektionierte Tools, die den neuen Bedingungen, wie z.B. der Adress- und Rufnummernerfassung im Sinne der Risikobewertung gerecht werden, dazukommen. Prozesse müssen vorangebracht werden und Agilität wird bei der Planung immer wichtiger. Wenn wir vor all diesen Umständen, den Fachkräftenachwuchs sicherstellen, wird Corona uns in der Gesamtsicht wichtige Chancen für die bessere Erreichung von Zielgruppen und für die Weiterentwicklung der gesamten Branche bieten.“

Insgesamt war das Online-Seminar eine gute Einstimmung auf die 12. Wissenschaftliche Konferenz Eventforschung zum Thema „Events und Wege aus der Krise“. Wir laden alle Interessierten herzlich ein, die Diskussion am 30.10.2020 im Carlowitz-Center Chemnitz fortzusetzen und freuen uns schon jetzt gemeinsam LIVE ein Zeichen für die Branche zu setzen.

Möchten Sie die Corona-Zeit nutzen, um Ihre individuellen Kompetenzen zu stärken und sich für die Zeit nach der Krise fit zu machen? Dann empfehlen wir Ihnen die berufsbegleitenden Bachelor- und Masterstudiengänge der TU Chemnitz:

Autorin: Annekatrin Baßler

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